Terrible Toybox

Thimbleweed Park

Review

Nach vielen Jahren der Abstinenz in der Spieleentwicklung kehrte Ron Gilbert mit Thimbleweed Park zu den Wurzeln seiner kreativen Hochphase zurück. Dabei versuchte er an alte Erfolge anzuknüpfen und mit modernen Einflüssen das Spielerlebnis auf ein neues Level zu heben.

Ein kurzer Abriss

Für diejenigen, die nicht genau wissen worum es sich bei Point & Click Adventure-Games handelt, gibt es hier eine kurze Erläuterung. Typischerweise schlüpft man in die Rolle von einem oder je nach Stil des Spiels mehreren Protagonisten, versucht vor verschiedenen Kulissen Dinge zu sammeln, Informationen von Personen zu erhalten und somit in der Storyline weiterzukommen. Dabei müssen gelegentlich Rätsel gelöst werden, die zeitweise komplexer sind.

Genau auf dieser Basis wurde Thimbleweed Park entwickelt und bedient sich an dem SCUMM-System, das früher typischerweise bei von Ron Gilbert entwickelten Adventures zum Einsatz kam. Hierbei werden die Interaktionsmöglichkeiten mit Personen und Objekten in Form von Befehlen wie „Reden“, „Drücken“, „Benutzen“, „Öffnen“, „Schließen“ etc. bereitgestellt. Nicht alle Befehle lassen sich auch mit jedem Objekt benutzen – doch dazu äußern sich im Zweifelsfall die spielbaren Figuren und lehnen die Interaktion ab.

Um das Inventar zu füllen und seine Handlungsmöglichkeiten auszubauen, sind überall in der Stadt Gegenstände verteilt. Ab und zu sind diese sehr simpel zu entwenden, zu anderen erhält man wiederum erst durch das Lösen von Aufgaben oder Rätseln Zugang. Doch nicht jeder Gegenstand ist situativ notwendig sondern erst im späteren Spielabschnitt von Bedeutung. Auch die Welt von Thimbleweed Park ist gespickt mit allerlei Hilfsmitteln und sogar Staubkörnern, die so gut wie in jeder Szene versteckt sind. Neben dem Erhalt eines Achievements, sofern man alle Staubkörner gesammelt hat, wird man zum Ende des Spiels über deren Sinn aufgeklärt. Also fleißig sammeln!

Ermittler, Familie und ein Clown

Das Setting des Spiels stellt eine alte, dunkle und heruntergekommene Stadt dar, in der ein Mordfall aufzuklären gilt. Die beiden Ermittler Ray (mürrische und schnell genervte Senior-Agentin) und Reyes (ambitionierter Junior-Agent), die an das Agentenduo von Akte X erinnern, werden somit direkt ins Geschehen geworfen und versuchen die Bewohner von Thimbleweed Park zu verhören, um nützliche Hinweise zu erhalten. Dabei laufen sie auch weiteren Persönlichkeiten über den Weg, welche ebenfalls spielbare Charaktere sind. Delores, Nerd und zukünftige Spieleentwicklerin, ist die Nichte von Chuck, dem Besitzer der ortsansässigen Kissenfabrik. Dessen Bruder bzw. Delores Vater Franklin, zurückhaltendes und leicht einzuschüchterndes Mauerblümchen, möchte Chuck davon überzeugen neben Kissen in weitere Ideen zu investieren. Letztes Mitglied der Crew ist Ransome der Clown, lokaler Comedy-Star, der es mit seinem derben und beleidigendem Humor zu sehr übertrieben hat. Durch das Beleidigen eines Show-Gastes wurde er mit einem Fluch belegt, der ihn dazu verdammt hat bis ans Ende seines Lebens wie ein Clown auszusehen. Ähnlich wie zu Zeiten von Day of the Tentacle kann man nun zwischen diesen fünf Personen wechseln und je nach Notwendigkeit oder Situation deren Beziehungen zueinander oder Fähigkeiten nutzen.

Übernatürliches und eine Fabrik

Mittelpunkt des Geschehens stellt der besagte Mord dar, welcher sich allerdings nur als Überleitung zu den eigentlichen Vorkommnissen herausstellt. Denn in der Stadt passieren allerlei mysteriöse Dinge, die mit dem Ursprung der Stadt zu haben. Dabei verdichten sich alle Hinweise und deuten auf die geheimnisvolle Kissenfabrik hin. Diese hatte vor vielen Jahren Delores Onkel Chuck gegründet und stellt Thimbleweed Parks größte Steuereinnahmequelle dar, weshalb sie von großer Bedeutung ist.

Nachdem der Mord aufgeklärt und der Mörder entlarvt wurde, kommt es zu einem großen und überraschenden Plot-Twist, der die Geschichten der fünf Charaktere jeweils in eine völlig andere, aber für alle gleich bedeutsame Richtung lenkt. Daher müssen sie zusammen arbeiten um ihre Ziele zu erreichen. All diese Worte verraten schon einige Details, aber zu viel möchte ich nicht Preis geben, denn alles weitere würde den Spielspaß und die Entwicklung der Storyline verderben. Lediglich das große Finale stellt nochmals eine interessante, aber völlig logische Zusammenfassung aller Ereignisse in Thimbleweed Park dar, die gleichermaßen humorvoll erzählt werden.

Retro HD

Neben der interessanten Storyline sind in Thimbleweed Park zahlreiche Anspielungen auf frühere Spiele und alte Zeiten der Adventure-Ära versteckt. Doch nicht nur inhaltlich kommt Retro-Feeling auf, auch die Grafik erinnert an vergangene Tage. Die liebevoll gezeichneten Pixel-Hintergründe werden um moderne Effekte wie Schatten- und Rauchpartikel ergänzt, wodurch eine erfrischend neue Tiefenwirkung entsteht – natürlich alles in 16:9. Doch trotz des HD-Updates verliert das Spiel zu keinem Zeitpunkt seinen Charme, den es vermitteln möchte. Auch die Icons des Inventars und Animationen der Charaktere sind in typischer Manier implementiert.

Musikalisch kann das Game ebenfalls auftrumpfen. Die dezenten Hintergrundmelodien sind weder aufdringlich noch unpassend und fügen sich in die aktuelle Szenerie gut ein. Darüber hinaus wurde Thimbleweed Park vollständig synchronisiert und bringt die Charaktereigenschaften der Protagonisten bestens hervor. Zwar ist die Sprachausgabe komplett in Englisch, aber die deutschen Untertitel stehen der Synchronisation in nichts nach.

Das Spiel kann je nach Plattform auf unterschiedliche Art und Weise bedient werden. Neben der Touch-Eingabe auf mobilen Geräten oder der Nutzung eines Controllers, kann das Spiel auch klassisch mit der Mouse am PC via Point und Click gesteuert werden. Ich hatte mich für die Switch-Version entschieden und die Joy-Cons genutzt. Dabei lässt sich der Cursor sowohl schnell als langsam bewegen. Diese Funktion ist sehr vorteilhaft, da das präzise Anvisieren wie mit einem Mouse-Cursor somit ebenfalls möglich ist – wenn auch etwas mühseliger.

Mit rund 10 bis 15 Stunden Spielumfang kann Thimbleweed Park überzeugen und stellt einen kurzweiligen Spielspaß dar.

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Ron Gilbert hat es geschafft einem verstaubten Spiele-Genre mit moderner Technik neues Leben einzuhauchen, ohne seinen klassischen Charme zu verlieren. Für Adventure-Liebhaber ein Pflichtkauf.
KodyBits
PROs
  • Retro-Feeling in modernem Gewand
  • Tolle Sprachausgabe
  • überraschend lange Spieldauer
  • Viele Anspielungen auf kultige Klassiker
CONs
  • Manche Wege dauern zu lange, trotz Karte
  • Humor kommt nicht vollkommen an die alten Games heran

Thimbleweed Park

Publisher / Entwickler

  • Terrible Toybox

Genre

  • Point & Click Adventure

Offline

  • 1 Spieler

Online

  • Nicht verfügbar
  • Windows PC
  • Release: 30.03.2017
  • Playstation 4
  • Release: 22.08.2017
  • Nintendo Switch
  • Release: 21.09.2017
  • Apple iOS
  • Release: 19.09.2017
  • Android
  • Release: 03.10.2017

* Der angegebene Preis orientiert sich an der UVP (unverbindlichen Preisempfehlung) oder am Preisangebot von Amazon. Im Vergleich zu anderen Anbietern kann der angegebene Preis geringer oder höher ausfallen. Aktualisiert: 27.08.2018

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